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Herr Johannes Schmelz Verwaltungsgemeinschaft Gemünden a. Main


 


 

Luftbild-Weyersfeld

(Foto: A. Spreng © 2009 Film-Photo-Ton Museum, 97737 Gemünden a. Main)

 

WEYERSFELD - Aus der Geschichte -

 

Bereits  im Jahre 777 wird in der Beschreibung der MARK HAMMELBURG eine "Hiltifridesburg" bei Weyersfeld als Grenzpunkt genannt. Die Flurnamen "Burgberg" und "An der Burg" weisen noch heute auf eine der ältesten Wehranlagen des Sinn- und Saalegaues hin. Bald nach der Schenkung der Mark Hammelburg durch Karl den Großen an das junge Kloster Fulda 777 dürfte Weyersfeld gegründet worden sein. Um 803 wird in einer Schenkungsurkunde ein kleine Ansiedlung (villula) WILARESFELDE genannt.

 

Im Mittelalter trafen hier die Machtansprüche der geistlichen Herren von FULDA, MAINZ und WÜRZBURG aufeinander. Aufstrebende Grafen- und Rittergeschlechter schlossen sich an: Henneberger, Rienecker,, Thüngen. Das SPINNMAGDKREUZ an der nördlichen Gemakungsgrenze, Straße Aschenroth - Hainbuche, bildete die Geleitsgrenze zwischen Mainz und Fulda. Enge Beziehungen bestanden zum Zisterzienserinnenkloster SCHÖNAU. So schenkte bereits 1280 WORTWIN, Bürger zu RIENECK, dem Kloster seine Güter zu "WIERSFELD". Kloster Schönau besaß hier den zehntfreien NIEDER- oder ÄBTISSINNENHOF und bezog den Ertrag mehrerer Güter.

 

Im Spätmittelalter waren Dorfherrschaft und Rechte unter den Herren WÜRZBURG, MAINZ und RIENECK im Verhältnis 2 : 1 : 1 geteilt. Ein alter, heute demolierter Wappenstein in einer Hofmauer erinnerte an die alten Herrschaftsverhältnisse, die auch für Michelau und Schonderfeld galten. Nach dem Aussterben der Grafen von Rieneck 1559 fiel das rieneckische Viertel an Mainz zurück, das 1673 seine Dorfhälfte an NOSTIZ-RIENECK verkaufte. Weyersfeld gehörte nun vogteilich je zur Hälfte zum würzburgischen Amt GEMÜNDEN und zum Amt RIENECK, rechtlich aber ganz zur CENT RIENECK. Kleine Streitfälle regelte ein eigenes Dorfgericht, dessen Vorsitz abwechselnd der würzburgische und der gräfliche Schultheiß führte. Fast alle Dorfämter waren doppelt besetzt und wechselten im jährlichen Turnus.

 

Bei der Säkularisation kam Weyersfeld 1803 zunächst halb, dann 1808 ganz zum Großherzogtum Würzburg, 1814 an die Krone Bayerns. Seit 1978 ist Weyersfeld ein Ortsteil der Verbandsgemeinde KARSBACH.

 

Kirchlich gehörte Weyersfeld lange als Filiale zur Ur- und Mutterpfarrei WOLFSMÜNSTER. Als 1550 Wolfsmünster von den RIENECKERN an die THÜNGEN verkauft wurde, führten diese in der Pfarrei und den meisten Filialdörfern die REFORMATION ein. Ab 1605 betrieben Mainz und Würzburg gemeinsam die GEGENREFORMATION. Dazu wurden Weyersfeld, Michelau und Schonderfeld der Pfarrei GEMÜNDEN zugeteilt. Aber bereits 1614 wurde Weyersfeld von Gemünden gelöst und kam im Tausch mit Seifriedsburg zum näheren Pfarrort KARSBACH, wo es bis heute ist.

 

1740 wurde die jetzige KIRCHE gebaut. Wie der Vorgängerbau ist sie dem Hl. Albanus geweiht. Die Ausstattung ist einheitlich aus der Erbauungszeit. Am Hochaltar die Mittelfigur St. Albanus, im Aufsatz darüber Gottvater, die Altarblätter der Seitenaltäre zeigen St. Maria und St. Wendelin. Besonders schön ist die Kanzel mit Flachschnitzereien in Rokokomuschelwerk. 1985 wurde die gesamte Kirche gründlich und ansprechend renoviert und ist so wieder ein Schmuckstück des Ortes.

 

Der Friedhof befand sich ursprünglich neben dem Gotteshaus. Er wurde 1812 an den nordwestlichen Dorfrand verlegt und 1840, bzw. 1954 erweitert. 1830 baute die Gemeinde ein neues Schulhaus, 1906 ein eigenes Lehrsaalgebäude. Dieses wurde 1979 nach Auflösung der hiesigen Volksschule zu einem Sportheim umgebaut. Unmittelbar daneben errichteten 1998 Feuerwehr und Musikverein in Eigenleistung ein neues Feuerwehrhaus mit Probenraum.

 

Weyersfeld war bis vor wenigen Jahrzehnten ein reines Bauerndorf. Die Höfe der 38 Ortsnachbarn säumten die Dorfstraße zu beiden Seiten. Feld und Viehzucht, Obstbau, früher auch der Weinbau, waren die Erwerbsquellen. Heute macht sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft überall bemerkbar. Viele Bauern haben bereits die Viehhaltung oder ihren landwirtschaftlichen Berieb ganz aufgegeben. Auch äußerlich hat sich das Dorf gewandelt. Während viele neue Häuser und Wirtschaftsgebäude entstanden, verschwanden auch etliche altfränkische Toranlagen mit Hofpforte und hohem, überdachtem Hoftor. Erhalten blieb der untere Dorfbrunnen mit seinem von zwei Sansteinsäulen getragenen Pyramidendach. Am östlichen und westlichen Dorfende entstanden neue Siedlungsgebiete.

 

Seit der Gebietsreform von 1978 ist Weyersfeld ein Ortsteil der Gemeinde Karsbach.

 

Quelle: Werner Fella